Da die EuroDog 1999 organisatorisch sehr gut gelungen war, bekam der Österreichische  Kynologenverband von der FCI den Auftrag zur Ausrichtung der EuroDog 2005.

Der ÖKV feiert 2009 sein 100jähriges Bestehen und möchte gerne in diesem Jahr die Welthundeausstellung ausrichten. Wenn Sie, liebe Leser, nun der Meinung sind, dass die Verantwortlichen des ÖKV sich heuer besonders bemüht hätten, um zu mindest die Qualität von 1999 zu erreichen oder gar zu übertreffen, muss ich sie leider enttäuschen. Das Fiasko nahm seinen Lauf, als der ÖKV Vorstand die langjährige Kraft, Frau Ing. Radnetter,  kündigte. Was auch immer die Gründe sind, es war im Vorfeld der EuroDog ein großer Fehler. Die eingespielte Organisatorin fehlte und war in der kurzen Zeit auch mit viel Einsatz nicht zu ersetzen. Was seit Jahren auf den Ausstellungen selbstverständlich war, wurde gerade bei diesem so wichtigen Event nicht umgesetzt.

Viele der geladenen Richter beschwerten sich, dass sie noch kurz vor der Ausstellung keine Quartierbenachrichtigung erhalten hatten und deshalb beim ÖKV öfters urgieren mussten, sonst hätten sie nicht gewusst, wo sie untergebracht wurden. Der Versuch, den ÖKV telefonisch zu erreichen, war in den Tagen vor der EuroDog ein langwieriges Unterfangen. Die Quartiere waren von Tulln weit entfernt, und so mussten alle Richter täglich einen stundenlangen Anfahrtsweg mit dem Bus zum Ausstellungsgelände in Kauf nehmen.

Zahlreichen Ausstellern wurde beim Abholen der Startnummer im Ring erklärt, sie hätten die Meldegebühr nicht bezahlt. Auch das Vorweisen der Einzahlungsbestätigung half nichts. Man musste bei der Kasse in Halle 3 die Zahlungsbestätigung holen. Das bedeutete einen Wettlauf mit der Zeit: Im Eiltempo zur Halle 3, um sich in einer langen Schlange an der Kasse anzustellen, danach wieder im rasanten Schritt zurück zum Ring, um die Startnummer abzuholen. Die Riesenschlangen, die sich dadurch an der Kasse bildeten, versperrten zeitweise den einen Eingang in die Halle 3.
An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass das Kassenpersonal sein Bestes gegeben hat und trotz manchem verständlicherweise erbosten Aus-steller immer ruhig, höflich und um jeden bemüht blieb. Solche Mitarbeiter sind die eigentlichen „Helden“ ohne Dank und Anerkennung, die einen harten Job machen müssen.

Den meisten war es unverständlich, wieso dem unterbesetzten Ringpersonal nicht die gleichen Computerlisten zur Verfügung standen wie den Kassendamen in Halle 3. Dem Ringpersonal kann man aber hier keinen Vorwurf machen, sie haben genau nach Order gehandelt. Bei einer Meldegebühr von bis zu € 75.- möchte man sicher nicht als „Laufbursche“ des ÖKVs agieren, um nicht selbst verschuldete Fehler aus zu bügeln.

Beim Richten mussten einige Richter leider auch die Arbeit der teilweise schlecht geschulten oder überforderten Ringstewards mit übernehmen. Einige Teilnehmer mussten im Freigelände ihre Hunde auf Zentimeter hohen Kieselbelag vorführen. Die reinste Zumutung, vor allem für die Dackel.

Die Klubs und Geschäftsleute mussten schon am Donnerstag alles zum Ausstellungsgelände bringen, da laut ÖKV an den Veranstaltungstagen striktes behördliches Fahr- und Parkverbot bestand, sogar mit Abschleppandrohung. Man kann sich gar nicht vorstellen, wer alles ein „VIP“ ist und eine Ausnahmegenehmigung vom ÖKV erhielt, um sein Auto auf dem Gelände zu parken. Einfach nach dem Motto: Wir sind alle gleich, nur manche sind „gleicher“!

Die PR-Arbeit war leider so gut wie nicht vorhanden. Kein einziges Plakat wies auf dieses kynologische Großereignis hin. Die Firmen waren über diese Organisation und die mangelhafte Werbung zu Recht verärgert. Sogar die großen Futtermittelsponsoren fanden das Ganze im höchsten Masse unprofessionell und unakzeptabel, auch weil Vereinbarungen nicht eingehalten wurden. Apropos Vereinbarungen, der SFA bekam auch nicht den vereinbarten langjährigen Eckkojenplatz. Man hat uns einfach für eine Koje in der Mitte eingeteilt, ohne mit uns vorher Rücksprache zu halten. So mussten wir neues Mobiliar und Bilder anschaffen.

Die beim Publikum so beliebte Rassehundepräsentation wurde ersatzlos gestrichen. Schade, gerade hier hätte man den Laien die verschiedenen Rassen näher vorstellen können. Im Ehrenring wurde kurzerhand der Schapendoes als Pon angesagt und umgekehrt. Zumindest für den Ansager wäre die abgesetzte Rassepräsentation von Vorteil gewesen. Am Freitag war die Hitze in der Halle 3 fast unerträglich. Ein Mitglied unseres Klubs bekam in der Koje massive Kreislaufbeschwerden. Wir ersuchten beim ÖKV Infobüro, uns dringend einen Sanitäter zur Koje zu schicken. Es wurde auch sofort über Lautsprecher durchgesagt, aber leider warteten wir vergebens auf medizinische Hilfe. Zum Glück gaben sich die Beschwerden von selbst, wir wollen uns gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn …..

Der offizielle ÖKV Fotoplatz bestand nur aus einem roten Paravent. Nirgends war ersichtlich, dass es sich um die EuroDog 2005 handelte. Da es kein Podest und keinen Teppich gab musste der graue Betonboden genügen, nicht gerade das geeignete Ambiente um die Europasieger zu verewigen und eine Beleidigung für die anwesende Weltpresse.

 Aber es kommt noch besser. Im Ehrenring, wo die Weltpresse die schönsten Hunde der Ausstellung fotografierte, war am Podest auch kein einziger Hinweis auf die EuroDog 2005, dafür prangte das alte ÖKV Logo. Wenn man diese Fotos betrachtet, muss man zwangsläufig annehmen, dass sie schon einige Jahre alt sind. Am letzten Tag wurde dann doch noch ein EuroDog -„Pickerl“ am Podest angebracht und dies nur für den Best in Show, da war der Zug aber schon abgefahren.

Gemeldet waren insgesamt 10.506 Hunde (321 Rassen) aus 37 Ländern. Der österreichische Anteil war mit bescheidenen 10.7% beschämend. Italien führte mit 1.768 Hunden die Meldestatistik klar an. Der Aufruf der Vizepräsidentin Mag. Maissen–Jarisch in der UH, österreichische Aussteller mögen doch vermehrt ihre Hunde auf der EuroDog melden, stieß anscheinend auf taube Ohren. Bei den deutschen Schäferhunden, der beliebtesten und eintragungsstärksten Hunderasse in Österreich, waren z.B. zwei Richter im Einsatz. Jetzt kommt die Pointe: Es waren nur 35 Hunde gemeldet. Von den 70 angetretenen Juniorhandlern waren nur 12 aus Österreich. Woran kann das liegen? Sind doch die Junioren die zukünftigen Aussteller.

Viele Aussteller waren von den Urkunden enttäuscht, es waren die gleichen wie bei normalen Schauen. Die Pokale sahen eher billig aus und auf keinem Fall dem Anlass entsprechend. Da lobe ich mir die schönen Glaspokale bei der EuroDog 1999. Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass der ÖKV nur die Profitoptimierung  im Auge hatte. Man kann sicher sein, bei der nächsten ÖKV Vollversammlung werden wir diesbezüglich das Eigenlob zu hören bekommen.

Sollte 2009 Österreich zum 100 jährigen ÖKV-Jubiläum die Welthundeausstellung ausrichten dürfen, was mich sehr freuen würde, dann bitte mit mehr Professionalität und weniger Improvisation. Die Devise sollte nicht lauten Gewinnoptimierung, sondern die angeschlagene Reputation der österreichischen Kynologie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wieder herzustellen. Angesichts der eher tristen Resultate der österreichschen Hundezucht bei der EuroDog 2005 ist es dringend notwendig, Maßnahmen und Strategien zu entwickeln, damit auch die ÖKV Züchter im internationalen Ausstellungsgeschehen mitmischen können. Hier sind auch die Rassehundeklubs zusammen mit den Züchtern gefordert, die Aussteller zu motivieren und auf den Ausstellungen zu betreuen.

Natürlich ist der „richtige Blick“ für den richtigen Hund von großer Bedeutung und nicht zu unterschätzen. Es hat den Anschein, der ÖKV entfernt sich immer mehr vom Zucht und Ausstellungswesen hin zum Abrichte- und Turniergeschehen. Dieser Zustand ist nicht mehr erträglich und dient der österreichischen Zucht in keiner Weise. Im ÖKV Umfeld gibt es genügend fähige Leute, die auch mit anpacken würden, um etwas frischen Wind in die österreichische Kynologie zu bringen. Natürlich müssen dabei erst „Freunderlwirtschaft“ und persönliche Animositäten abgelegt werden, um gemeinsam das Ziel, die österreichische Kynologie international wieder aufzuwerten, zu erreichen. Ich kann hier nur inständig an das Pflichtbewusstsein der Verantwortlichen appellieren und sie ersuchen, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Bleibt abzuwarten, welche konkreten Schritte in Angriff genommen und umgesetzt werden.

PS: Bei einem Fernsehinterview am Samstag war kurz Herr Mag. Gerd Weiß mit dem Insert „Gerd Weiß Veranstalter EuroDog Tulln“ zu sehen. Damit erklärt sich Vieles von selbst.

Renos