Dog News: Die ÖKV-Zeitschrift „Unsere Hunde“ hat vor kurzem ein neues Layout bekommen. Wieso hat es so viele Jahre gedauert?

Radnetter: Der ÖKV-Vorstand war der Meinung, dass die UH ohnedies zu den besten Zeitungen in der Hundewelt Europas zählt. Erst als die Abonnements zurückgegangen sind und die Industrie aufgehört hat zu inserieren, ist man drauf gekommen, dass etwas unternommen werden muss. Damals wurde Frau Nicole Pesak als neue Mitarbeiterin aufgenommen. Sie war sehr interessiert und hat mit viel Engagement alles unternommen, dass eine Relounge durchgeführt wurde. Unserer Meinung nach ist dies gut gelungen.

Dog News: Die neue UH-Rubrik „Ans Bein gepinkelt“ ist anonym. Wieso?

Radnetter: Einzig und allein, um den Autor zu schützen. Allerdings kann man nicht von anonym sprechen, sondern von „Name ist der Redaktion bekannt“, denn als Chefredakteur weiß  ich, wer der Verfasser ist. Ich habe einfach Bedenken, dass, wenn man ein paar so spitze Meinungen in die Welt setzt, der Verfasser Angriffen ausgesetzt sein könnte. Das wollte ich damit vermeiden, und sicherstellen, dass jemand seine Meinung frei äußern kann.

Dog News: Von wem aus könnte eine Gefahr für den Verfasser eigentlich bestehen?

Radnetter: Es gibt so viele Gremien im ÖKV, es gibt den ÖKV-Vorstand, es gibt den Beirat, es gibt so viele andere Möglichkeiten und ich weiß nicht, woher es noch kommen könnte. Und das wollten wir damit verhindern.

Dog News: Das ÖKV-Jahrzehnt-Werk „Hunderassen in Österreich“ - eine Broschüre um 5 Euro - ist leider nicht gut gelungen. Was ist da schief gelaufen?

Radnetter: Schon über viele Jahre war es immer mein Wunsch und mein Bestreben, eine Broschüre über in Österreich gezüchtete Hunderassen zu machen. Ich wollte eine Finanzierung durch die Industrie, um sie dann an Interessenten oder an neue Mitglieder zu verschenken bzw. kostenlos zu verteilen. Man hat sich aber entschlossen, dieses Heft anders zu gestalten, anders aufzubauen, sodass es in der jetzigen Form nicht mehr meinen Vorstellungen entspricht. Ich wollte eine Buchform, ich wollte einen härteren Einband. Es ist natürlich leicht, im Nachhinein darüber so zu sprechen. Vielleicht hat man es aber auch nur zu schnell durchgepeitscht, sodass einige Fehler übersehen wurden.

Dog News: Das heißt also: Weil die bessere, vor allem kostenlose Broschüre nicht zustande gekommen ist, muss man heute für ein schlechteres Heft 5 Euro zahlen?

Radnetter: Wenn diese Broschüre nicht so angenommen wird, wird man sich vielleicht entscheiden, sie doch zu verschenken, um so dann den Effekt, den sie ursprünglich haben sollte, zu erreichen.

Dog News: In den diversen Gremien des ÖKV gibt es Personen, die den Anforderungen, so wie es sich die Klubs vorstellen, nicht gewachsen sind? Was sagen sie dazu?

Radnetter: Ich bin auch dieser Meinung. Aber ich glaube, dass es ein menschliches Problem ist und es sehr oft vorkommt, dass Funktionäre vor der Wahl etwas versprechen, um gewählt zu werden und es dann nach der Wahl leider nicht einhalten. Das ist so wie in der Politik, nur bin ich der Meinung, dass man diese Personen, wenn man ihre Inkompetenz erkennt, rechtzeitig austauschen sollte. Vielleicht ist der ÖKV in dieser Beziehung etwas nachlässig.

Dog News: Wäre eine Änderung der Statuten denkbar, sodass die Vorstandsmitglieder des ÖKV einzeln gewählt werden könnten, wie es im Beirat der Fall ist? Hätten wir dann nicht die besten „Köpfe“ im Vorstand?

Radnetter: Als Demokrat hätte ich mit einer Änderung der Statuten überhaupt kein Problem, dazu ist allerdings eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Erst dann kann eine Wahl derartig erfolgen. Dann würden sicherlich auch hier sehr gute Leute in den Gremien sitzen, man muss sich halt dann ein bisschen mehr zusammenraufen. Aber prinzipiell sollte es ohne weiteres möglich sein.

Dog News: Wäre dies für den ÖKV nicht positiver?

Radnetter: Ich kann es nicht abschätzen, ich kann mir aber vorstellen, dass in manchen Bereichen für den ÖKV etwas Positives heraus schaut.

Dog News: In Leoben gab es bedauerlicherweise eine Beißattacke, bei der ein achtjähriges Kind  schwere Bissverletzungen davontrug. Der ÖKV hat bis heute darauf nicht reagiert, finden Sie das richtig?

Radnetter: Ich bin ebenfalls sehr überrascht, dass von Seiten des ÖKV keine Reaktion erfolgte. So viel ich aber weiß, gibt es einen eigenen Pressereferenten. Nur frage ich mich, wozu wir ein eigenes Pressereferat haben? Ich habe allerdings auch schon von ÖKV-Vorstandsmitglieder die Meinung gehört, dass es besser sei, sich nicht zu rühren und sich still zu verhalten, damit man nicht ins Licht der Öffentlichkeit und so nicht ins Schussfeld gelangt.

Dog News: Apropos Pressereferat! Können Sie uns sagen, wie viele Pressekonferenzen vom Öffentlichkeitsreferenten gegeben wurden bzw. wie viele Presseaussendungen im Vorjahr gemacht wurden?

Radnetter: Ja, das ist mir bekannt. Wenn ich mich nicht täusche, sind es in eineinhalb Jahren null Presseaussendungen gewesen.

Dog News: Ist dieses Pressereferat dann überhaupt notwendig?

Radnetter: Darauf brauche ich nicht zu antworten, denn allein, was ich Ihnen an Fakten gesagt habe, spricht Bände.

Dog News: Eine oberösterreichische Züchterin – sie ist kein Mitglied des ÖKV - ist im Fernsehen, in den Zeitungen und Magazinen - also in den Medien - öfters präsent als der ÖKV. Wieso gelingt es dieser Dame und nicht dem ÖKV, „in Sachen Hund“ in der Öffentlichkeit so zu agieren?

Radnetter: Ich meine, das ist eine sehr engagierte Frau, die weiß, was sie will, die tolle PR-Arbeit leistet, die genau weiß, wie sie in den Vordergrund treten kann. Mir persönlich tut es leid, dass sie keine ÖKV-Züchterin ist, denn solche Leute würde ich mir bei uns wünschen.

Dog News: Sollte dem ÖKV die Möglichkeit gegeben werden, für Züchter, die nachweislich von ihrer Rassevertretung schikaniert werden, Ahnentafeln auszustellen?

Radnetter: Ich glaube, es liegt in der Natur der Sache, dass es bei so genannten Ehrenämtern immer gewisse Neidkomplexe oder Ähnliches gibt. Es wird daher immer wieder vorkommen, dass gewisse Züchter hofiert und anderen Züchtern Steine in den Weg gelegt werden. Ich bin der Meinung, dass der ÖKV jetzt schon die Möglichkeit hätte, auch direkt - ohne Verbandskörperschaft - in begründeten Fällen Ahnentafeln auszustellen. Nur müssen diese Fälle dementsprechend untersucht und begründet werden, um dann so zu reagieren.

Dog News: Früher gab es mehr Ausstellungen in Österreich, jetzt sind es viel weniger geworden. Früher waren die jährlichen Gesamtmeldezahlen höher als jetzt. Diese kolportierten Meldezuwächse sind also nicht ganz richtig?

Radnetter: Es ist richtig, wenn man es genau so betrachtet, haben sie vollkommen recht. Bei 10 bis11 Ausstellungen mal 1500 Hunde ergibt das eine gewisse Gesamtsumme. Bei sechs Ausstellungen ist die Gesamtsumme jetzt selbstverständlich geringer. Es werden vom ÖKV-Referenten nur die Ausstellungen, die am gleichen Ort stattfinden, gegenüber gestellt und so kommt er auf die positiven Meldezahlen. Man darf aber eines nicht vergessen – und ich möchte diese Schwierigkeiten erwähnt haben, dass Vereine kaum noch im Stande sind, große Ausstellungen zu organisieren, weil die Arbeit für einen Verein einfach zu viel ist. Dass es heute nur noch sechs Ausstellungen in Österreich gibt, ist darauf zurückzuführen.

Dog News: Laut Budgetvoranschlag des ÖKV für 2005 soll die „Euro Dog 2005“ einen Überschuss von 100.000 Euro (ohne Sponsorgelder) erzielen. Ist es nicht so, dass jedes FCI-Land um die Ausrichtung einer Welt- oder Europasiegerschau kämpft, weil es eben ein höchst lukratives Geschäft ist?

Radnetter: Es ist teilweise richtig. Es gibt Länder, die es so gut machen, dass sie daraus Gewinn schlagen. Mit Stolz kann ich dazu sagen, dass wir Österreicher auch dazugehören und dass es für uns ein wesentlicher Beitrag zum Budget war, als wir vor etlichen Jahren noch Minuszahlen geschrieben haben. Jetzt schreiben wir Pluszahlen und darauf können wir stolz sein. Nur der Erlös aus solchen Veranstaltungen sollte wieder für die Hunde ausgegeben werden.

Dog News: Wie groß sind die Chancen, dass Österreich die Ausrichtung der Welthundeausstellung zum Hundertjahrjubiläum im Jahr 2009 zugesprochen bekommt?

Radnetter: Ich habe gehört, dass sich der ÖKV eventuell um eine Kandidatur bemühen wird. Die Abstimmung über die Kandidaten wird nächstes Jahr in Argentinien erfolgen. Ich habe aber auch gehört, dass sich Frankreich sehr intensiv dafür bewirbt und ich sehe für Österreich keine großen Chancen. Denn ich weiß, dass die FCI-Welt sehr stark von Lateinamerika, Südamerika und französisch dominierten Ländern beeinflusst wird.

Dog News: Die Veranstaltung „Haustier aktuell“ war heuer sicher ein guter Anfang, um für unsere Rassehunde zu werben. Es ist begrüßenswert, dass sie auch nächstes Jahr stattfinden wird. War es allerdings klug, diesen Termin eine Woche nach der Euro Dog 2005 in Tulln anzusetzen?

Radnetter: Ich muss ehrlich sagen, ich weiß nicht genau, ob es so fixiert ist. Wenn es so fixiert wurde, war das vom ÖKV sehr unachtsam und nicht sehr klever. Ich würde meinen, dass das noch einmal besprochen werden sollte. Es wird sehr schwer sein, Leute zur Mithilfe für eine erfolgreiche Präsentation auf der Arena Nova zu aktivieren. Da man im heurigen Jahr Mängel erkannt hat, soll sie im nächsten Jahr noch besser werden. Dazu braucht man aber Mitarbeiter, und eine Woche nach einer Euro Dog wird es nicht einfach sein, Mitarbeiter zu motivieren.

Dog News: Jetzt zur Gerüchteküche. Angeblich soll eine Verwandte eines Beiratsmitglieds gegen Bezahlung die PR-Arbeit im ÖKV übernehmen. Haben Sie etwas davon gehört?

Radnetter: Auch ich habe dies in der Gerüchteküche brodeln gehört. Es soll so sein, dass zur Unterstützung des PR-Referenten eine Angestellte oder geringfügig Beschäftigte aufgenommen wird. Ich weiß nicht genau, wer das sein wird, aber ich habe gehört, dass es die Tochter eines bekannten ÖKV-Funktionärs sein soll. Man muss ihr erst eine Chance geben, ihr Können zu beweisen und dann kann man darüber weiterreden.

Dog News: Welches Erlebnis wird Ihnen in Ihrer langjährigen kynologischen Tätigkeit immer in Erinnerung bleiben?

Radnetter: Mir wird sicher in Erinnerung bleiben, dass ich bei sechs Welthundeausstellungen im Ausland als Richter eingesetzt war. Das war für mich eine sehr große Ehre. Ich habe die Richtertätigkeit immer als ein Ehrenamt betrachtet. In Erinnerung bleiben wird mir auch, dass ich als Ausstellungsleiter der Welthundeausstellung 1996 und der Euro Dog 1999 tätig sein durfte.

Dog News: Welches ist Ihr größter Fehler?

Radnetter: Das ich zu gutmütig bin, manchmal zu optimistisch und immer nur das Positive sehe.

Dog News: Worauf sind Sie besonders stolz?

Radnetter: Wie schon erwähnt auf die Organisation der beiden Großveranstaltungen. Leider ist es mir nicht mehr möglich auch die Euro Dog 2005 auszurichten. Weil ich einerseits gesundheitlich nicht in der Lage bin und andererseits mit einem Team, mit dem ich nicht kann, es nicht machen will.

Dog News: Worüber haben Sie das letzte Mal gelacht?

Radnetter: Gestern Abend bei den Stehaufmandeln, da waren ein paar sehr gute Gags dabei.

Dog News: Was ist Ihnen peinlich?

Radnetter: Nicht sehr viel.

Dog News: Worauf schauen Sie als erstes bei einem Hund?

Radnetter: Ganz ehrlich, auf den Ausdruck.

Dog News: Was ist Ihre Lieblingsspeise?

Radnetter: Wiener Schnitzel.

Dog News: Wann werden Sie böse?

Radnetter: Wenn man mich belügt.

Dog News: Womit kann man Ihnen eine Freude machen?

Radnetter: Mit positiver Einstellung.

Dog News: Vielen Dank, dass Sie sich für dieses Interview Zeit genommen haben. Wir wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft.

Radnetter: Dankeschön